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Brustkrebs des Mannes aus Sicht des internistischen Onkologen

Brustkrebs des Mannes ist eine seltene Krankheit. Für die Betroffenen geht es neben der Verarbeitung des Schocks einer bösartigen Krankheit um die bestmögliche Behandlung.

Was unterscheidet Brustkrebs bei Männern und Frauen?

Der Brustkrebs des Mannes weist einige Besonderheiten auf, die ihn vom Brustkrebs der Frau unterscheiden. So spielt die erbliche Komponente eine wesentlich größere Rolle als bei Frauen, bei denen nur 3 bis 5 Prozent eine Vorbelastung haben.

Bei den Männern gibt es vor allem zwei Risikogruppen:

  • BRCA2 Mutationen: Sie machen etwa 10 % der Männer mit Brustkrebs aus. In den betroffenen Familien erkranken Männer und Frauen.
  • Klinefelter Syndrom: Die meisten dieser Männer haben ein zusätzliches X-Chromosom und einen veränderten Hormonhaushalt. Das Risiko für Brustkrebs ist  20- bis 50-fach höher als bei anderen Männern.

Auch der Brustkrebs selbst zeigt eine Reihe von Unterschieden. Für die Behandlung besonders wichtig ist, dass fast alle Krebszellen beim Brustkrebs der Männer Hormonrezeptoren für Östrogen haben. Dagegen ist ein weiterer Rezeptor, HER2, bei weniger als 10 Prozent der Patienten nachweisbar. Gen-Analysen haben zudem über 1.000 Unterschiede gegenüber dem Brustkrebs der Frauen entdeckt.

Wie wird Brustkrebs bei Männern behandelt?

Die Behandlung erfolgt multimodal und risikoadaptiert.

Multimodal bedeutet, dass die fünf wirksamen Behandlungsmethoden kombiniert werden: Operation, Bestrahlung, Hormontherapie, Chemotherapie, Antikörperthera-pie. Jedes dieser Behandlungsprinzipien hat seinen eigenen Stellenwert – aber auch seine eigenen Nebenwirkungen. Vor allem die Hormontherapie ist für die Männer sehr belastend. Aber auch die Chemotherapie muss sorgfältig ausgewählt werden, da viele der Patienten altersbedingt weitere Krankheiten haben. 

Risikoadaptiert bedeutet, dass sich die Intensität der Behandlung nach dem Rück-fallrisiko richtet. Bei Patienten mit einem sehr kleinen Tumor ohne Hinweise auf Me-tastasen ist möglicherweise eine Operation mit oder ohne anschließender Hormon-therapie ausreichend, während bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor mit Lymphknotenmetastasen neben der Operation auch die Bestrahlung, die Hormontherapie und die Chemotherapie empfohlen werden.

Neben der medizinischen Versorgung spielt bei dieser Patientengruppe auch die psychosoziale Betreuung eine wichtige Rolle, da Männer sich nach der Diagnose häufig in einer psychologisch äußerst schwierigen Situation befinden. Angebote der Selbsthilfe sind hier zur Unterstützung der Betroffenen hilfreich und wichtig, damit die Patienten in die Lage versetzt werden, aktiv ihren Gesundungsprozess mitzu-gestalten.

Prognose

Die Prognose ist stadienabhängig. Nach den Daten des SEER-Register der USA haben Männer mit Brustkrebs im Stadium I ein Rückfallrisiko innerhalb von 10 Jahren von etwa 7 Prozent, während es im Stadium III bei über 50 Prozent liegt.

Leitlinien

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie hat eine ärztliche Leitlinie für die Betreuung von Männern mit Brustkrebs erarbeitet, www.dgho.de/onkopedia.de. Eine patientengerechte Version dieser Leitlinie wird voraussichtlich im Oktober 2010 veröffentlicht.

Prof. Dr. Bernhard Wörmann
Hämatoonkologe, Hamburg