Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
Eröffnungsrede Hilde Schulte
Chancen nutzen - Perspektiven schaffen ist das Motto das Jahres und der Bundestagung 2008, zu der ich Sie, liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde und sehr geehrte Gäste recht herzlich willkommen heiße.
Chancen bieten sich uns immer wieder. Sie zu erkennen und zu nutzen, hier und jetzt, persönlich und für die Frauenselbsthilfe nach Krebs, ist eine ständige Herausforderung . Ein japanisches Sprichwort sagt: „Fürchte dich nicht vor langsamen Veränderungen, fürchte Dich nur vor dem Stillstand." Wir müssen möglicherweise Vieles fürchten, nicht aber Stillstand. Auch das letzte Jahr war geprägt von Änderungen und Neuerungen, Chancen und Entwicklungen, die den Verband einen weiteren Schritt nach vorne gebracht haben.
Welche Veränderungen hat es gegeben, welche Chancen und Perspektiven ergeben sich daraus für die Frauenselbsthilfe nach Krebs?
Zunächst einmal - und hier kann ich tatsächlich sagen: nomen est omen - ist der neue, frische Aufwind unseres Magazins perspektive zu nennen, das nach einem schwierigen und langwierigen Entscheidungsprozess Ende des letzten Jahres erstmals erschienen ist.
Nach den unerfreulichen und schmerzlichen Erfahrungen mit dem zuvor in die Erstellung unseres Magazins eingebundenen Verlag haben wir die Chance ergriffen, ohne Verlagsbindung etwas Neues zu gestalten und dabei auf jegliche Werbung zu verzichten.
Wir danken Ihnen, liebe Mitglieder, für Ihre Rückmeldungen bei jeder einzelnen der vier bisher erschienen Ausgaben. Sie tragen dazu bei, unserem Ziel, ein qualitativ hochwertiges, neutrales, den Interessen von krebskranken Menschen entsprechendes Magazin zu verfassen, näher zu kommen.
Die Qualität unseres Magazins haben - wie ihre Rückmeldungen beweisen - auch unsere Ehrenmitglieder im Auge, die ich an dieser Stelle in alphabetischer Reihenfolge sehr herzlich begrüße:
Als Ehrenvorstandsmitglied > Hildegard Röll
Als Ehrenmitglieder
- Dr. Dieter Alt
- Irmgard Ehrlich
- Otto Röll
Des Weiteren haben wir die Chance zu einer klaren Positionierung hinsichtlich Neutralität und Unabhängigkeit genutzt, verfeinern sie weiterhin und loten sie immer wieder an aktuellen Beispielen aus.
Der nach wie vor anhaltenden Kritik in der Presse an der vermeintlichen Abhängigkeit nahezu aller Selbsthilfeorganisationen können wir mit unseren Richtlinien gut begegnen. Sie gehen in Differenziertheit und Alltagstauglichkeit über die von unseren Dachverbänden BAG Selbsthilfe und Parität erarbeiteten Leitsätze hinaus und übersteigen die Klarheit der Erklärung, die von den Gesetzlichen Krankenkassen als Voraussetzung für die Selbsthilfeförderung zu unterzeichnen ist. Mit unseren Richtlinien machen wir deutlich, dass es Abhängigkeiten in der Frauenselbsthilfe nach Krebs nicht gibt. Wir sind einzig und allein den Interessen und Bedürfnissen von krebskranken Menschen verpflichtet.
Unsere Perspektive ist Verlässlichkeit, sowohl in der Arbeit als auch in Standpunkten und Stellungnahmen in allen Bereichen. Auch in Zukunft wollen wir als das erkannt werden, was wir sind: Eine Selbsthilfeorganisation, die die programmatischen Grundsätze ihrer Satzung und ihr Leitbild neutral, unabhängig, zielstrebig, seriös und glaubwürdig umsetzt.
Nicht zuletzt wird unsere Position durch die finanzielle Förderung und die Bewilligungsbedingungen der Deutschen Krebshilfe gestützt.
- Wir freuen uns, dass der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Herr Gerd Nettekoven, wie alljährlich unsere Bundestagung begleitet.
- Ebenso freuen wir uns über die Anwesenheit von Christiana Tschoepe, Pressereferentin der Deutschen Krebshilfe und zuständig für den Selbsthilfebereich.
- Auch Cornelia Burghard, Leiterin der Dr. Mildred Scheel Akademie, ein herzliches Willkommen.
Eine weitere Chance mit nachhaltigen Auswirkungen haben wir mit unserem Schulungsprogramm für Mitglieder ergriffen, einem einzigartigen Modell der Qualitätsentwicklung, federführend im Bereich der Selbsthilfe.
Wir haben nicht nur seit 2005 insgesamt 151 Schulungen mit 3 827 Personen durchgeführt , sondern auch bereits eine Überarbeitung und Aktualisierung des Konzeptes vorgenommen.
Gemeinsam mit unseren Fachausschüssen Qualität und Gesundheitspolitik sind wir ständig bestrebt, unsere eigene Kompetenz und die Sachverständigkeit all derer zu verbessern, die für unseren Verband einstehen und für ihn tätig sind. Der Blick von außen eröffnet uns die Chance, innen besser zu werden. Perspektivisch gibt uns die Einbeziehung der externen Experten die Möglichkeit, unsere Aufgaben langfristig besser, sicherer und auf höherem Niveau erfüllen zu können. Deshalb ein herzliches Willkommen unseren Fachausschussmitgliedern, die uns und unsere Bundestagung kritisch begleiten.
Für den Fachausschuss Qualität:
- Frau Christine Kirchner
- Frau Dr. Ursula Becker > Herr Peter Brünsing
- Herr Dr. Joachim Gebest > Herr Jürgen Matzat
- Frau Irmgard Naß-Grigoleit > Herr Prof. Bernhard Wörmann
Für den Fachausschuss Gesundheitspolitik:
- Herr Stefan Ammon > Herr Prof. Dr. Bernhard Borgetto
- Frau Hildegard Kusicka > Herr Burkhard Lebert
- Herr Prof. Peter Mallmann, der uns morgen als Referent zur Verfügung stehen wird und
- Frau Christiana Tschoepe in einer Mehrfachrolle, denn sie hat heute Vormittag bereits unsere Pressekonferenz moderiert und leitet morgen noch einen Workshop zum familiären Brustkrebs.
Unter Fürsprache von Frau Prof. Dr. Rita Schmutzler, Stiftungsprofessorin der Deutschen Krebshilfe mit Scherpunkt familiärer Brust- und Eierstockskrebs sind junge Frauen aktiv geworden und ergreifen mit uns die Chance, sich im Rahmen unserer Bundestagung zu treffen und erste Schritte für eine bundesweite Kommunikation und Vernetzung einzuleiten.
- Allen Frauen, die zu diesem Projekt gehören, ein herzliches Willkommen in Magdeburg und in der Gemeinschaft der Frauenselbsthilfe nach Krebs.
Und wie ist es mit unseren gesundheitspolitischen Chancen bestellt? Das Wort „Gesundheitsreform" steht stellvertretend für eine Entwicklung, die zum Reizthema sowohl in der Politik als auch bei betroffenen Menschen geworden ist. Die Restriktionen und die neuen Bestimmungen der letzten Jahre, die Versicherte stärker in die Verantwortung nehmen, sind für uns eine ständige Herausforderung, der wir uns vermehrt annehmen. Durch Gespräche auf politischer Ebene und in medizinischen Gremien haben wir eine gute Position erringen können und nutzen die sich daraus ergebenden Chancen, um eine bessere psychosoziale Versorgung und gute Perspektiven für krebskranke Menschen zu schaffen.
Den jüngst veröffentlichten Nationalen Krebsplan begrüßen wir außerordentlich und sehen darin die generelle Chance, bei der Neugestaltung der Versorgungsstrukturen und -abläufe mitwirken zu können und unseren Zielen effektiver und schneller näher zu kommen Ich freue mich sehr, an dieser Stelle
- Herrn Dr. Klaus-Theo Schröder, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, begrüßen zu können. Ich freue mich auf Ihr Grußwort, Herr Dr. Schröder.
- Ebenfalls begrüße ich herzlich Frau Dr. Barbara Stomper, Bundesministerium für Gesundheit, Referat 315 -Nicht übertragbare Krankheiten
Bevor ich abschließend auf das Thema Nachfolge eingehe, sei mir ein Hinweis auf einen entscheidenden Entwicklungsschritt unseres Verbandes erlaubt: Das Qualifizierungskonzept für unsere Landesvorstände. Darin vermitteln wir eine Führungskultur, die auf Transparenz und Beteiligung setzt, die auf externe Vernetzung genau so baut wie auf Offenheit im Umgang mit persönlichen Grenzen, die Risikobereitschaft fördert und Fehler als Chance zu nutzen weiß. In diesem Sinne befasst sich das Konzept mit Generationenwechsel und Nachfolge, die nur gelingen kann, wenn Mitglieder frühzeitig und umfassend in die Arbeit einbezogen werden.
Gelungen ist dieser Wechsel im vergangenen Jahr in drei Landesvorständen. Ich begrüße als unsere Gäste sehr herzlich die ehemaligen Landesvorsitzenden
- Edda Lohmeier vom Landesverband Rheinland-Pfalz / Saarland, die weiterhin ihre Gruppe Mainz betreut und
- Eva Rumpler vom Landesverband Bayern.
Als dritte ist Dr. Renate Estel als Landesvorsitzende in Thüringen ausgeschieden. Sie hat den Landesverband seit seiner Gründung im Jahre 1991 mit außergewöhnlichem Engagement geführt, besondere Nähe zu betroffenen Menschen aufgebaut und die Arbeit der Frauenselbsthilfe nach Krebs in Thüringen bekannt gemacht und geprägt. Auch wenn sie aus persönlichen Gründen unserer Einladung nicht folgen konnte, berufen wir Frau Dr. Renate Estel aufgrund Ihrer langjährigen, außerordentlichen Verdienste zum Ehrenmitglied der Frauenselbsthilfe nach Krebs.
Beim Thema Nachfolge ist auf allen Ebenen des Verbandes keineswegs Stillstand zu vermelden. Vieles ist in Bewegung. Auch im Bundesvorstand sind deutliche Vorboten der im nächsten Jahr anstehenden Vorstandswahlen zu erkennen. In dieser Veränderung liegt die große Chance, Dinge mit anderen Augen zu sehen, von einer anderen Seite anzugehen, mit einem jüngeren Geist Ideen zu entwickeln und neue Perspektiven für die Zukunft der Frauenselbsthilfe nach Krebs zu schaffen. Die Vorstandsarbeit auf Bundesebene ist eine erfüllende und intensive Arbeit, die Engagement, Einsatzfreude und Verantwortungsbewusstsein ebenso fordert wie die Bereitschaft, sich mit den unterschiedlichsten Fragestellungen auseinanderzusetzen - und wenn es sein muss auch auf Russisch.
Im April dieses Jahres besuchte uns in Bonn eine Delegation aus Russland. Das Bedürfnis nach Austausch war groß und beidseitig erhellend. Für uns wurde deutlich, dass die Versorgung einer Krebserkrankung in Deutschland auf einem qualitativ hohen Niveau stattfindet und Selbsthilfe bereits weit entwickelt ist. Ich begrüße sehr herzlich unsere Gäste aus Russland,
- Frau Olga Redkina und
- Herrn Andrei Bakin.
Sehr herzlich begrüße ich den Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. Herr Dr. Bruns, herzlich Willkommen zum ersten und hoffentlich nicht letzten Mal in Magdeburg.
Ebenso herzlich begrüße ich von Verbänden im Haus der Krebsselbsthilfe
- Frau Renate Surmann und Frau Karin Trommeshauser vom Bundesverband der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten,
- zwei Vertreter der Prostataselbsthilfe, Herrn Bernd Knye-Neczas und Herrn Roland Teichert sowie
- von der Deutschen ILCO die Herren Stelzer und Schlicht.
Unsere Aussteller, die wie alljährlich unsere Tagung bereichern, begrüße ich ebenfalls sehr herzlich. Einzelne von Ihnen sind bereits seit zehn Jahren dabei.
Im Bewusstsein der Lebendigkeit unseres Verbandes, der Chancen, die wir nutzen, der zahlreichen Projekte, denen wir uns zuwenden, des Qualifizierungsprozesses, der wissbegierig und freudig aufgenommen wird und noch nicht beendet ist, sehe ich auch in den bevorstehenden Veränderungen Perspektiven, die sich eröffnen und genutzt werden wollen. Erfolgreich zu sein setzt nach Goethe zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen. Diese beiden Dinge sind in unserem Verband vorhanden, der Erfolg kann nicht ausbleiben.
Ich danke Ihnen allen, die Sie an unserem Erfolg beteiligt sind, die Sie unsere Ziele mittragen und sich dafür einsetzen, dass wir sie erreichen. Und ich danke Ihnen für gegenseitige Ermunterung und Motivation.
Liebe Mitglieder, sehr verehrte Gäste, mit einem japanischen Sprichwort habe ich begonnen, mit einem chinesischen Sprichwort schließe ich: Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift. Lassen sie uns gemeinsam jede Chance ergreifen, die sich auftut, damit sie sich multiplizieren kann und neue Perspektiven entstehen.
Nutzen wir zunächst hier in Magdeburg unsere Chancen zu Erkenntnisgewinn, fröhlichen Begegnungen, guten Gesprächen und einem erbaulichen Miteinander.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.



