Mit den Fortschritten in Medizin und Medizintechnik gehen immer mehr Spezialisierungen einher, die einesteils die Bedürfnisse von Patientinnen im Auge haben und andererseits die neuesten medizinischen und pflegerischen Erkenntnisse umsetzen. Neben Tumorzentren haben sich mittlerweile zahlreiche Organzentren etabliert, die ausdrücklich eine bestimmte Tumorerkrankung versorgen: Brustzentren, Darmzentren, Lungenzentren, Prostatazentren. Eine multidisziplinäres Konzept, eine reibungslose Organisation zwischen den Behandlungsdisziplinen, ständige Fortbildungen, Umsetzung von hochwertigen Leitlinien und Überprüfung der Einrichtung von externen Begutachtern sorgen für eine hohe Behandlungsqualität.
Beispielgebend für Weiterentwicklung und Spezialisierung stehen die Diagnose und Therapie von Brustkrebs. Entscheidende Meilensteine des Fortschritts sind hier das Mammographie-Screening - die frühe Diagnosestellung - und die Einrichtung von Brustzentren - die Gewähr für eine Behandlung nach bestem Stand medizinischen Wissens. Auch wenn die Heilung von Brustkrebs nach wie vor ein gesundheitspolitisch und gesellschaftlich ungelöstes Problem darstellt, kann die Behandlung in einem zertifizierten Brustzentrum für gesunde wie auch erkrankte Frauen zu einem Überlebensvorteil führen. Der Begriff Brustzentrum ist allerdings nicht geschützt und hat nur mit einer Zertifizierung eine besondere Bedeutung (zertifiziert nach der Deutschen Krebsgesellschaft und Deutschen Gesellschaft für Senologie (DKG/DGS), nach der Ärztekammer Westfalen/Lippe, nach EUSOMA).
Was bietet ein zertifiziertes Brustzentrum und was ist das Besondere?
Aufgrund der Spezialisierung liegt ein reicher Erfahrungsschatz im Umgang mit Brusterkrankungen vor. Patientinnen können auf eine besondere Expertise aller beteiligten Fachrichtungen vertrauen, denn in einem Brustzentrum werden jährlich mindestens 150 Ersterkrankungen von Brustkrebs behandelt und jeder Operateur führt jährlich mindestens 50 Brustoperationen durch. Die ständige Überprüfung der Anforderungen durch eine außen stehende Prüfungskommission hält die fachliche Qualifikation auf einem hohen Niveau. Alle an der Behandlung beteiligten Fachärzte, Diagnostiker, Brustchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Pathologen arbeiten im Team zusammen, besprechen in einer Tumorkonferenz die einzelne Krankheitssituation und legen die beste, erfolgversprechendste Behandlungsstrategie fest. Der Zugang zu Studien ist ebenso gewährleistet wie der Hinweis auf eine genetische Beratung.
Patientinnen können sicher sein, dass sie leitliniengerecht, d.h. nach bestem Stand medizinischen Wissens behandelt werden. Information, Aufklärung und Beratung nehmen einen hohen Stellenwert ein und sind kontinuierliche Begleiter während des gesamten Behandlungsprozesses. In Ergänzung zu den Arztgesprächen wird schriftliches Informationsmaterial ausgehändigt. Patientenrechte finden ihren Niederschlag z. B. in dem Hinweis auf eine zweite Meinung, in der Aushändigung der medizinischen Krankenakten, in der Beachtung der Privatsphäre. Die Einbeziehung der Patientin in Therapieentscheidungen und Behandlungsplanung erfolgt gemäß dem Modell des „Shared Decision Making (SDM)", der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Bei Bedarf wird psychischer Beistand sowie emotionale Unterstützung gewährt. Gespräche mit Selbsthilfegruppen-Mitgliedern werden vermittelt oder gehören zum ständigen Angebot des Brustzentrums. Dem Anspruch auf sozialrechtliche Beratung wird Rechnung getragen und unterstützende Angebote, wie Anschlussheilbehandlung und Rehabilitationsmaßnahmen, werden eingeleitet.
Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen, um der lebensbedrohlichen Situation Brustkrebs medizinisch, psychologisch und sozial gut begegnen zu können. Unter diesen Rahmenbedingungen können Patientinnen den Schock der Diagnose überwinden, an der Erreichung des Therapiezieles mitarbeiten, neue Zukunftsperspektiven entwickeln und die Krankheit bewältigen.
Erforderlich ist, dass Patientinnen ihre Rechte kennen und wissen, was unser Medizinsystem bereithält und was letztlich Brustzentren und Organzentren bieten. Nur dann können sie das für sie Notwendige einfordern und ausschöpfen. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs setzt sich nachhaltig für mehr Information und Transparenz im Gesundheitssystem ein, für Umsetzung der medizinischen Leitlinien und der Zertifizierungsrichtlinien in Brustzentren, damit die hohe Versorgungsqualität nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch in Medizinalltag gelebt wird und Patientinnen zugute kommt.
Hier erfahren Sie, wo sich in Ihrer Nähe ein Brustzentrum befindet:
- bei Ihrem behandelnden Arzt,
- in der Bundesgeschäftsstelle der Frauenselbsthilfe nach Krebs (0228/33889-400),
- unter www.senologie.org
- unter www.krebsgesellschaft.de
- unter www.krebsgesellschaft-nrw.de (Brustzentren in Nordrhein-Westfalen)
- medführer „Brustkrebszentren".
Bundesvorstand der FSH



