Empfehlungen zur Hautpflege direkt vor, während und nach der Strahlentherapie
Informationen der Universität Erlangen
Die Strahlentherapie ist eine wichtige Säule in der heutigen onkologischen Therapie. Die Bestrahlung von außen bedeutet aber immer auch eine mögliche Gefahr der Schädigung der Eintrittspforte - der Haut. Dabei können starke Reizungen der Haut, die bis zum Auftreten offener Wunden führen können, auftreten. Deshalb ist es sehr wichtig die Haut vor Beginn der Bestrahlung richtig vorzubereiten. Eine gute Prophylaxe ab Beginn der Bestrahlung, eine therapeutische Hautpflege nach Auftreten von Hautreizungen sowie im Anschluss an die Strahlentherapie führt zu einem verbesserten Allgemeinempfinden und zu einem kosmetisch besseren Ergebnis. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre belegen, dass eine gute Hautpflege im Vorfeld einer Bestrahlung und auch während einer Strahlenbehandlung die Hautreizungen deutlich vermindert.
Generelle Empfehlungen:
- die Haut im Bestrahlungsfeld sollte so oft wie möglich der Luft ausgesetzt werden
- Hautreizungen sollten im Bestrahlungsfeld vermieden werden:
Mechanische Reizungen: lockere, bequeme Kleidung aus Naturfasern tragen (Baumwolle, Seide, Leinen; keine Kunstfaser wegen Hitzestau), keine eng anliegenden, rauen oder juckenden Kleidungsstücke über bestrahlter Hautfläche, kein Kratzen oder Reiben auf der Haut, kein Heftpflaster oder Schmuck, keine Massagen im Bestrahlungsfeld, nach Mastektomie keine festen oder klebenden Kunststoff¬oder Silikonprothesen tragen
Chemische Reizungen: keine Nassrasuren, keine alkalische Seifen, Deodoranzien, Parfüms, Desinfektionsmittel (v.a. bei hohem Alkoholgehalt), Rasierwasser, Make¬up oder Haarepilierungsmittel im Bestrahlungsfeld verwenden, Kleidung mit milden Tensiden waschen (vermeidet Hautreizungen durch Rückstände) Kein Schwimmen in gechlortem¬oder Salzwasser.
Thermische Reizungen: keine direkte Sonneneinstrahlung, kein Solarium, keine Temperaturextreme (z.B. Heizkissen, Wärmflasche, Haarfön, Trockenhaube, Eispackungen, kalte Außentemperaturen, Wind, Sauna, Heißluftmassagen, heiße Packungen, Fango¬oder Moorbäder)
- die Anzeichnungen für die Bestrahlung nicht entfernen!
Basisempfehlungen zur Hautpflege
Hautreinigung: Waschen/Duschen, Haarwäsche bzw. Sitzbäder bei perinealen Bestrahlungen
- nur lauwarmes Wasser verwenden
- längeres Duschen (länger als 2 Minuten im Bestrahlungsfeld) vermeiden, da die Haut aufquillt und zusätzlich auslaugt!
- Syndets oder Shampoo nur in Rücksprache mit dem behandelten Arzt verwenden
• auf keinen Fall parfümierte Produkte verwenden! - die Haut mit einem weichen Tuch/Handtuch trocken tupfen oder mit Fön auf kalter Stufe trocknen
Hautpflege: Allgemeine Hinweise:
- nur die vom Behandlungsteam empfohlenen Produkte verwenden (ausgewählte Produkte siehe Liste)
- Hautpflegeprodukte sanft und dünn mit der Hand oder Finger auftragen, nicht einreiben
- Hautpflegeprodukte nicht auf die Anzeichnungen für die Bestrahlung aufbringen!
- kein Parfüm, Aftershave, Make¬up oder Deodorant auf das Bestrahlungsfeld bringen
- Elektrorasierer anstelle Nassrasur verwenden und in den Achselhöhlen nicht rasieren
- keine Haarepilierungsmittel innerhalb des Behandlungsfeldes verwenden
- keine metallhaltigen Hautpflegemittel (Zink-, Titanium-, Kupfer-, Aluminium-, Silbersalze) verwenden: durch eine Streuung der Strahlung kommt es zu einer höheren Belastung der Haut
- Pudern der intakten Haut ist möglich, verbessert aber nicht den Hautzustand. Puder ist evtl. sinnvoll bei starken Hitzewallungen.
- mind. zwei Stunden vor dem Bestrahlungstermin keine Hautpflegemittel anwenden!
Hautpflege vor Beginn der Bestrahlung und zur Prophylaxe einer Hautreizung - normale tägliche Körperreinigung mit milden Syndets bzw. Shampoo (siehe Produktliste Nr. 1) bis zum Bestrahlungsbeginn, danach Syndets oder Shampoo nur in Rücksprache mit dem behandelten Arzt verwenden
- Zweimal tägliche Pflege des Bestrahlungsfeldes mit zum jeweiligen Hauttyp passenden Pflegepräparaten (normale oder Mischhaut: Präparate vom O/W-Typ ¬siehe Produktliste Nr. 2; trockene Haut: Präparate vom W/O¬Typ ¬siehe Produktliste Nr. 3) bereits ab ein bis zwei Wochen vor Bestrahlungsbeginn
Hautpflege bei beginnenden Hautschäden (trockene Haut, Rötung): - Reinigung wie oben beschrieben nur noch ca. jeden 2. Tag durchführen
- Zwei¬bis viermal tägliche Pflege des Bestrahlungsfeldes mit lipophilen Präparaten vom W/O-Typ - siehe Produktliste Nr. 3
- Feuchtpackungen mit isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlösung für ca. 1-2 Minuten mehrmals täglich möglich: kühlender und juckreizlindernder Effekt
Hautpflege zur Therapie eines Erythems (starke Hautrötung mit Entzündung) - Reinigung nur noch jeden 2¬3. Tag für maximal 1 Minute mit lauwarmen Wasser
- Alternativ lauwarmes Sitzbad mit verdünnter Kamillenlösung für ca. 1 Minute
- Zwei¬bis viermal tägliche Pflege des Bestrahlungsfeldes mit lipophilen Präparaten vom W/O-Typ; Erhöhung der Frequenz bei trockenem Hautzustand; siehe Produktliste Nr. 3
- Feuchtpackungen mit isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlösung für ca. 1-2 Minuten mehrmals täglich möglich: kühlender und juckreizlindernder Effekt
Hautpflege zur Therapie einer Exsudation (starke Hautreaktion mit nässender, offener Stelle) - keine Routinereinigung der Haut durchführen, da die Hautschuppung verstärkt und das Granulationsgewebe geschädigt werden kann
- Reinigung im Bereich der Exsudation mit in Ringerlösung getränkter Kompresse vorsichtig durchführbar
- eine entsprechende Versorgung mit modernen Wundauflagen wird durch Arzt und Pflege eingeleitet: das Prinzip der feuchten Wundbehandlung vermindert Schmerzen und fördert die Heilung
- Wundauflagen mit Netzverband befestigen, nicht mit Pflaster
- kein Auftragen von Hautpflegeprodukten im Bereich der Exsudation
- ein beginnendes Exsudat kann evtl. mit Gerbstoffcreme (z.B. Tannolact Creme) oder Gel bzw. Gerbstoff¬Umschläge (z.B. Tannolact Badezusatz) zurückgedrängt werden
Hautpflege zur Linderung von Juckreiz - Feuchtpackungen mit isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlösung für ca. 1-2 Minuten mehrmals täglich möglich: kühlender und juckreizlindernder Effekt
- häufigere Pflege mit Cremes und Lotionen
- ein bis zweimal tägliche Behandlung der Haut mit Tannosynt Creme
- Nach Anweisung des Arztes
- Pflege des Bestrahlungsfeldes mit Cremes und Lotionen, die Cortison oder Lokalanaesthetika (Lidocain, Polidocanol) enthalten (Bsp. siehe Produktliste Nr.5)
- Antihistaminika oral
Hautpflege innerhalb des ersten Jahrs nach Bestrahlung - sofern keine Hautreizungen sichtbar sind, normale tägliche Körperreinigung, aber am Anfang möglichst mit milden Syndets bzw. Shampoo und zweimal tägliche Pflege des Bestrahlungsfeldes mit zum jeweiligen Hauttyp passenden Pflegepräparaten; siehe Produktliste Nr. 1-4
- Bei sichtbaren Hautreizungen bis zum Abklingen der Hautschäden, Reinigung und Fortführung der Hautpflege wie unter Erythem und Exsudation beschrieben
- starke Sonneneinwirkung im Bestrahlungsfeld vermeiden durch Verwendung von Sonnenblockern und Bedecken des Bestrahlungsfelds (Kleidung, Schal, großer Hut)
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