Meine Erfahrungen und Gedanken zum Film "Brustkrebs - Was nun?"
Ein ganz normaler Abend - so dachten mein Freund und ich. Wir sitzen abends entspannt nach den Essen im Wohnzimmer und schauen gemeinsam Fernsehen.
Da kommt ein Anruf. Oh, was möchte denn meine Leiterin der Selbsthilfegruppe?
Ob ich es mir vorstellen könnte, bei einem Film für andere Patientinnen über Brustkrebs mit zu machen? Tja, was halte ich davon? Mitmachen oder besser nicht?
Naja, erst mal bei der Journalistin melden, worum es überhaupt geht. Bisher weiß ich nur, dass zwei Patientinnen für diesen Film gesucht würden und dass dieser Film Patientinnen helfen soll, wenn sie die Diagnose Brustkrebs gerade frisch bekommen haben. - Aber eigentlich, ist das schon der beste Grund: anderen helfen können.
So kam es zu einigen sehr intensiven, aber schönen Gesprächen mit Frau Kostrzewa, der Journalistin. Je mehr ich von dem Projekt erfuhr, desto toller fand ich es. So ein Film hätte mir zu Anfang meiner Behandlungen auch geholfen. Schön fand ich aber, dass ich mich bei Frau Kostrzewa „gut aufgehoben" fühlte, denn sie konnte sich als Nicht-Betroffene sehr gut in mich hineinversetzen. Man merkte, dass sie sich mit diesem Thema schon länger vertraut gemacht hatte und das gab mir Mut mich zu öffnen.
Die ganze Planung des Drehs empfand ich sehr spannend. Als dann meine zwei Drehtage kamen, war ich schon ziemlich aufgeregt. Das Interview verlief dann viel einfacher, als ich dachte. Alle drei vom Kamerateam waren super nett und die Atmosphäre zuhause half auch. Die Ärzte und das Krankenhaus kannte ich durch meine häufigen Besuche bei der Behandlung zu genüge. Nur dass es jetzt für den Film mir viel leichter fiel, das Krankenhaus zu betreten. Denn es gab ja keine Chemo, keine häufigen Blutkontrollen, keine OP, kein und und und. Jetzt konnte ich mal aus einem positiven Grund mit den Ärzten reden. Mit der anderen Patientin aus dem Film habe ich mich sofort gut verstanden. Aber so ist das unter Betroffenen sehr oft, die Solidarität ist immer da.
Während der Drehplanung haben wir überlegt, was von mir und meiner Geschichte in den Film soll. Als es um das Thema Brustprothese ging, kamen bei mir schon echte Zweifel und Ängste. Kann ich so etwas persönliches von mir in einem Film überhaupt zeigen? Was ist, wenn meine Narben und die amputierte Brust nun eine Patientin erschrecken? Ich wollte doch niemandem Angst machen. Aber dann sagte ich mir: nein, wenn du zeigst, dass man auch mit solch einem Krankheitsverlauf locker umgehen kann, dann macht das anderen eher Mut. Also muss das sogar in den Film.
Das ganze Projekt hat mich auch nachdenklich gemacht. Viele Erinnerungen sind beim Erzählen ja wieder hochgekommen. Nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch die Schmerzen, Sorgen und Ängste, die ich hatte. Am schlimmsten war aber es, als ich den ersten Zusammenschnitt des Films sah. Jetzt waren da nicht mehr nur einzelne Drehabschnitte mit Pausen und Drehortwechsel, sondern ein ca. 12-Minuten langer Film, geballt mit all meinen Erlebnissen aus ca. 12 Monaten langer Behandlung. Puh, das saß. Da wurde mir erst mal bewusst, wie viel ich eigentlich schon durch diese Diagnose erlebt habe. Aber dann ist es wieder da, mein positives Denken, was mich die ganze Zeit über Wasser gehalten hat. Ich weiß jetzt, Mensch, ich habe so viel schlimmes erlebt, aber ich habe auch so viel daraus gelernt und in meinem Umfeld fast nur positive Erfahrungen gemacht. Mein Partner, meine Familie und meine liebsten Freunde - alle haben mich so sehr unterstützt. Auch bei den Ärzten war ich in den besten Händen. Bei mir ist bisher alles richtig verlaufen und ich habe eine Zukunft vor mir. Eine Zukunft, die viel bewusster erleben kann als früher. Durch die Erfahrungen in der Krankheit weiß ich das jetzt zu schätzen.
Niemand muss alleine durch die Therapie, es gibt so viel Hilfe, man muss nur wissen wo und sie annehmen. Durch mein Mitwirken an dem Film kann ich anderen helfen, dass auch sie den Mut nicht verlieren.
Michaela Koster, 15.01.2007
Die DVD "Brustkrebs - Was nun?"
ist in den Geschäftsstellen der BARMER erhältlich.



