Mammographie-Screening - die Herausforderungen
Die öffentliche Wahrnehmung
Der Weg der flächendeckenden Implementierung des qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings nach EU-Leitlinien wird von Politik, Medizin, Interessengruppen und Selbsthilfeorganisationen kritisch begleitet. Das ist gut so, solange sich die Kritik konstruktiv und zielorientiert im Sinne einer Weiterentwicklung von qualitätsgesicherter Früherkennung bewegt. Die bisherige Berichterstattung in den Medien bietet Frauen jedoch keine solide Grundlage, um eine gut informierte Entscheidung für oder gegen das Mammographie-Screening treffen zu können. Emotionale Äußerungen, interessengeleitete Aussagen, unzulässige Interpretationen und Halbwahrheiten schaden der Akzeptanz und dem Erfolg des Screenings.
Herausforderung Nr. 1:
Modifizierung des Informationsmaterials, Einbeziehung der S-3-Leitlinie „Brustkrebs-Früherkennung, Unterstützung durch Ärzte, aktive Öffentlichkeitsarbeit mit klaren Botschaften.
Die Einbindung ins System
Mammographie-Screening ist ein zusätzliches Angebot zu den bisherigen Leistungen der gesetzlichen Früherkennung. Diese bestehen unverändert weiter und werden durch das Mammographie-Screening nicht ersetzt. Mammographie-Screening richtet sich an die Frauen, die keine Hinweise auf eine Brustkrebserkrankung haben, aber das höchste Risiko tragen, an Brustkrebs zu erkranken: 50 - 69jährige Frauen. Für diese Altersgruppe ist der Nutzen gegenüber den Risiken belegt.
Wo aber endet Screening und beginnt Therapie? Wer schreibt bei einem Befund die Einweisung in welches Krankenhaus? Der qualitätsgesicherten Diagnose muss eine qualitätsgesicherte Therapie folgen. Der Begriff „Brustzentrum" mit seinen unterschiedlichen Zertifizierungen spaltet nicht nur die Fachwelt.
Frauen in der Screening-Population, die an Brustkrebs erkrankt sind, bekommen fälschlicherweise zur Zeit den Hinweis, sie bekämen die Mammographie jetzt auf Einladung im 2-jährigen Interwall des Screenings und nicht mehr einjährig im Rahmen der Nachsorge. Das ist so nicht richtig!
Herausforderung Nr. 2:
Klärung der Schnittstellenproblematik
Fachübergreifend,
ambulant - stationär,
Screening - Therapie,
Screening - Nachsorge,
herbeizuführen im Sinne einer leitlinienkonformen Vorgehensweise.
Die Grenzen der Mammographie - dichtes Drüsengewebe
Bei Frauen mit komplett erhaltenem oder dichtem Drüsengewebe (ACR III, IV) kann die Mammographie kein befriedigendes Ergebnis liefern, die Sensitivität ist erheblich reduziert. Nach Expertenschätzung ist dies bei 20 - 25 % der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren der Fall und führt zu falschen Befunden.
Herausforderung Nr. 3:
Einbeziehung von geeigneten Untersuchungsverfahren (Sonographie, MRT z. B. für Risikogruppen) als ergänzende diagnostische Maßnahme in bestimmten Situationen. Initiierung von Studien, die den vermuteten Nutzen ausreichend belegen.
Invasive Frühkarzinome
Etwa 20 % der im Screening entdeckten Karzinome sind DCIS (Duktales Carcinom in Situ), mit steigender Tendenz. Nur ein Teil davon entwickelt sich invasiv und führt zu Symptomen. Der andere Teil ist prognostisch irrelevant. Alle betroffenen Frauen werden der gleichen Therapie zugeführt.
Herausforderung Nr. 4:
Übertherapie vermeiden - herauszufinden, wo Therapie notwendig ist und wo darauf verzichtet werden kann.
Erkenntnis und Fazit
Festzuhalten bleibt,
... dass die Etablierung des Mammographie-Screenings im deutschen Gesundheitssystem eine Leistung ist, die Anerkennung verdient.
... dass die bisherigen Ergebnisse des Mammographie-Screenings die Erwartungen hinsichtlich Brustkrebs-Entdeckungsrate, Entdeckung in frühen Krankheitsstadien ohne Lymphknotenbefall und Wiedereinbestellungsrate erfüllen.
... dass als Entscheidungsgrundlage für Frauen eine Sprache gefunden werden muss, die Nutzen und Risiken neutral, ausgewogen und sachdienlich kommuniziert.
... dass Transprenz für alle Beteiligten, auch für Ärzte, hergestellt werden muss.
... dass während des Prozesses der Implementierung Mängel und Defizite auftreten, die beseitigt werden müssen.
... dass aus ersten Ergebnissen, aus erkennbaren Auswirkungen und kritischer Begleitung Probleme sichtbar werden, die dringend gelöst werden müssen oder langfristigen Handlungsbedarf zeigen.
Aber:
All das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Einführung des Mammographie-Screenings nach EU-Leitlinien einem defizitären Bereich in der Versorgungskette bei Brustkrebs nachhaltig Aufmerksamkeit schenkt und deutliche Verbesserungen bringt.



