Fragen Interview mit Hilde Schulte, Bundesvorsitzende Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V., Bonn
„Ein wichtiger Schritt gegen den Krebs“
Jedes Jahr erkranken in Deutschland 57.000 Frauen neu an Brustkrebs. Seit 2008 wird ein Mammographie-Screening bundesweit angeboten. Damit steigen die Chancen auf Heilung, sagt Hilde Schulte, die sich seit vielen Jahren für die Belange der Patientinnen einsetzt.
Frau Schulte, wie wichtig ist Früherkennung bei Brustkrebs?
Die Chancen auf Heilung bei Brustkrebs sind heutzutage sehr gut. Allerdings nur, wenn der Tumor erkannt wird, bevor er im Körper streut. Also in der Regel in einer Größe von unter einem Zentimeter, in diesem Stadium kann man ihn noch nicht ertasten.
Im Juni 2002 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, in Deutschland ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening-Programm einzuführen. Seit 2004 ist das Programm im Aufbau. Was heißt Qualität in diesem Zusammenhang?
Bei dem Screening geht es um eine kostenlose, von den Kassen finanzierte Mammographie. Zehn Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren werden alle zwei Jahre zur Teilnahme eingeladen. Qualität zielt hier auf Zweierlei. Zum einen auf die Apparate. Es werden hohe Anforderungen an die Technik gestellt, die Geräte müssen täglich überprüft werden. Zum anderen auf Ärzte und Röntgenassistentinnen. Alle müssen sich schulen lassen und werden regelmäßig weitergebildet.
Das war bisher nicht so?
Nein, leider nicht. Zum Teil kamen veraltete Geräte zum Einsatz und nicht alle Ärzte hatten ausreichende Qualifikationen. Ab 2009 müssen aber alle Geräte in den Praxen die Anforderungen erfüllen, die das Screening-Programm vorgibt.
Welche Ziele hat das Früherkennungs-Programm?
Die Sterblichkeit bei Brustkrebs soll um 30 Prozent sinken. Das setzt voraus, dass 70 Prozent aller Frauen zwischen 50 und 69 Jahren an dem Screening teilnehmen.
Wie werden Frauen in ländlichen Regionen eingebunden?
Dafür gibt es das Mammobil. Das sind Fahrzeuge, die die Dörfer besuchen und die Untersuchung vor Ort durchführen.
Das Bundesumweltministerium ist zuständig für die Rahmenbedingungen der Qualitätssicherung bei der Anwendung von Röntgenstrahlen. Wie beurteilen Sie die Strahlenbelastung durch das Röntgen?
Wenn man häufig lange Stecken fliegt, setzt man sich auch Strahlung aus. Ich denke, das Strahlenrisiko durch die Mammographie ist akzeptabel oder gar vernachlässigbar.
Der Strahlenschutz ist also gegeben?
Ja, weil das Screening-Programm so großen Wert legt auf die Qualität der Geräte und die Qualifikation des Personals. Für die berechtigte Personengruppe, also Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, ist der Nutzen in jedem Fall größer als das Strahlenrisiko. So gesehen, ist das Programm ein wichtiger und richtiger Schritt gegen Brustkrebs.
Auf einem Kongress im vergangenen April wurde eine erste Bilanz des Programms gezogen. Wie sieht die aus?
Über 1,4 Millionen Frauen haben bislang teilgenommen. Allerdings haben wir noch nicht ausreichend Daten, um sagen zu können, wie weit der Weg noch ist bis zu den 70 Prozent Teilnahmequote. Aber alles deutet daraufhin, dass das Programm gut angenommen wird.



