Frauenselbsthilfe nach Krebs begrüßt Klarstellungen des IQWiG zu Biomarker-Tests

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 Bonn, 23. November 2017 - Die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) begrüßt die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erarbeiteten Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei frühem Brustkrebs. Diese soll Betroffene dabei unterstützen, die Vor- und Nachteile einer Chemotherapie abzuwägen, den Nutzen von Biomarker-Tests einzuschätzen und so eine informierte Entscheidung über die Inanspruchnahme oder Ablehnung eines Tests treffen zu können.

In den vergangenen Jahren werden von der Industrie sogenannte Biomarker-Tests (Genexpressionstest) massiv beworben. Mit ihrer Hilfe soll es möglich sein zu erkennen, welche Frauen mit frühem Brustkrebs von einer Chemotherapie profitieren können und welche nicht. Da diese sehr teuren Tests nicht von den Krankenkassen gezahlt werden, ist bei vielen Betroffenen der Eindruck entstanden, dass ihnen eine wichtige Leistung vorenthalten wird und sie daher unnötig den Strapazen einer Chemotherapie ausgesetzt werden.

Doch wie sieht die Realität aus: Um eine Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs treffen zu können, wird anhand vieler unterschiedlicher klinisch-pathologischer Faktoren das Rückfallrisiko der Betroffenen ermittelt. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob eine Chemotherapie empfohlen wird oder nicht. Auch Biomarker-Tests machen nichts anderes, als das Rückfallrisiko zu ermitteln. Ob sie dies besser können als die bisher angewandten Untersuchungen, ist allerdings nach wie vor nicht erwiesen.

„Wir halten es für sehr fragwürdig von den Anbietern, dass sie den Eindruck erwecken, mittels eines Biomarker-Test könne eine eindeutige Aussage über den Nutzen einer Chemotherapie getroffen werden“, sagt Dr. Sylvia Brathuhn, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH), einer der größten und ältesten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland. „Hier wird den ohnehin Verunsicherten eine Sicherheit vorgespiegelt, die in Wahrheit nicht existiert.“

Die FSH begrüßt aus diesem Grund die nun erstellte Informationsbroschüre des IQWiG, die Betroffene dabei unterstützen soll, Möglichkeiten und Grenzen der Tests realistisch einzuschätzen. „Die Broschüre informiert hervorragend darüber, wie das Rückfallrisiko routinemäßig und wie es durch Biomarker-Tests ermittelt wird“, so Dr. Brathuhn. „Außerdem erfahren die Leserinnen, in welchen Fällen es für die Ärzte schwierig ist, eine Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie zu treffen, und ob dann der zusätzliche Einsatz eines Biomarker-Tests zur Ermittlung des Rückfallrisikos sinnvoll sein kann.“

Das Fazit der FSH zum Einsatz von Biomarker-Tests lautet auch angesichts der Darstellung in der Entscheidungshilfe des IQWiG: Solange nicht nachgewiesen ist, dass die (teuren) Tests bessere Ergebnisse liefern als die herkömmlichen Methoden, sollte ihre Durchführung auf die wenigen Fälle beschränkt bleiben, in denen der Einsatz einer Chemotherapie nicht eindeutig anhand klinisch-pathologischer Faktoren ermittelt werden kann. In diesen Fällen übernehmen übrigens die Krankenkassen bereits heute die Kosten.

Bundesvorstand der Frauenselbsthilfe nach Krebs

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des IQWiG: Biomarker-Tests bei frühem Brustkrebs: Warum unklar ist, ob man sich auf sie verlassen kann (23.11.2017)

Pressemitteilung: IQWiG kritisiert MINDACT-Interpretation in aktualisierter US-Leitlinie (20.12.2017) (PM später hier ergänzt)

IQWiG-Broschüre "Früher Brustkrebs - Was kann ich von Biomarkertests erwarten?" (Entwurf)*

* Der Entwurf der Broschüre wird nun noch im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beraten. Dabei kann es zu Änderungen kommen, d. h. die vomG-BA beschlossene Fassung kann von dem jetzt vom IQWiG vorgelegten Entwurf abweichen.

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