Ein Dilemma: Ärzte zwischen Existenzangst und hippokratischem Eid

19. Februar 2008 - Gibt es überhaupt eine Lösung für den Konflikt, in dem sich viele Ärzte befinden? Sie dürfen bei Heilmittelverordnungen die Richtgrößen nicht überschreiten, sonst kündigt der Prüfungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen Regressverfahren an. Es liegt auf der Hand, dass kein Arzt Strafzahlungen an eine Krankenkasse leisten will. Also stellt er weniger Heilmittelverordnungen aus - was fälschlicherweise als Indiz für bisher unnötige Verordnungen gewertet wird.

Ärzte sind aber verpflichtet, ihren Patienten das Heilmittel zu verordnen, das Hilfe oder Linderung für ihre Erkrankung verspricht. Das sind die Regeln der evidenzbasierten Medizin und ethisch-moralisches ärztliches Selbstverständnis. Zudem verspricht unsere Gesundheitsministerin, dass alle Patienten in unserem Gesundheitssystem das medizinisch Notwendige bekommen. 

Wenn  Ärzte aus finanziellen Gründen, wider besseres Wissen, letztlich aus Existenzangst, weniger Lymphdrainage, weniger Ergotherapie, weniger Krankengymnastik verschreiben, kommen sie ihrem hippokratischen Eid nicht nach, verletzten ihre ärztliche Behandlungsflicht. Unter Umständen müssen sie mit juristischen Konsequenzen rechnen. Folgen sie uneingeschränkt ihrem medizinischen Wissen und dem hippokratischen Eid, müssen sie möglicherweise viel Geld bezahlen und riskieren den Ruin ihrer Praxis.

Ähnlich wie mit Heilmittelverordnungen verhält es sich mit Medikamentenverordnungen. In der Praxis sieht das so aus, dass im November z. B. Ärzte ihren Patienten sagen „Ich kann Ihnen nichts mehr verschreiben, mein Budget ist erschöpft. Kommen Sie im Januar wieder." Oder Ärzte schließen am Quartalsende ihre Praxis lieber für eine Woche, als Patienten zu empfangen, denen sie notwendige Verordnungen verweigern müssen. Welche Belastung für Ärzte, sich zwischen Wirtschaftlichkeitsgebot und medizinischem Wissen entscheiden zu müssen.

Der Kampf ums Geld wird letztlich auf dem Rücken der Patienten ausgetragen, sie sind die eigentlichen Verlierer. Hier macht Sparen krank. Abgebrochene, verschobene oder unterlassene Therapien führen in der Regel zu größeren Problemen oder gar Folgekrankheiten. Sie verursachen unnötige Kosten und belasten das Gesundheitssystem zusätzlich in besonderer Weise.

Erfüllen die politischen Richtgrößen hier ihren Zweck oder ist eine Nachbesserung in den entsprechenden Bundesgesetzen angesagt?

Bundesvorstand der Frauenselbsthilfe nach Krebs

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