Methadon in der Krebstherapie: Beitrag zur Versachlichung der Diskussion

12. Juli 2017 - Nach wie vor wird das Thema "Methadon in der Krebstherapie" in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs hatte dazu in der vergangenen Woche Posititon bezogen und unter anderem klinische Studien zum Wirkstoff gefordert, aber auch vor falschen Erwartungen gewarnt. Nicht alle Betroffenen konnten unseren Standpunkt verstehen. Nun haben drei namhafte Institutionen Stellungnahmen zum Thema veröffentlicht, auf die wir hier als Beitrag zu einer Versachlichung der Diskussion verweisen möchten:

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) stellt unter anderem fest: „Die vorgelegten Daten zur Wirksamkeit von Methadon bei Patienten mit Gliomen beruhen auf einer einzigen, unkontrollierten Studie. Diese Daten müssen in kontrollierten Studien überprüft werden, idealerweise in einer randomisierten Studie, alternativ in einer Fall-Kontroll-Studie. Eine kurzfristige Option ist die Durchführung einer Bestfall-Analyse anhand der vorliegenden Dokumentationen. Hierbei kann die DGHO unterstützend tätig werden. Auf der Basis der bisher vorliegenden Daten zur Wirksamkeit und des möglichen Risikos einer erhöhten Sterblichkeit ist eine unkritische Off-Label-Anwendung von Methadon nicht gerechtfertigt.“ 

 Stellungnahme der DGHO zu Methadon in der Krebstherapie

Patienteninformation der DGHO zu Methadon in der Krebstherapie

Und auch das Universitätsklinikum Jena äußert sich zum Thema: "Derzeit ist die Gabe von Methadon bei Patienten mit Tumorerkrankungen mit dem Ziel, den Tumor zu bekämpfen nicht sinnvoll. Auch wenn die Nachfrage der Patienten aufgrund der zahlreichen Berichte in den Medien verständlich ist, so muss bei fehlender nachgewiesener Wirkung, aber nachgewiesenen Risiken von der Anwendung von Methadon außerhalb der Schmerztherapie abgeraten werden.“

"Faktenblatt: Methadon" des Universitätsklinikums Jena

Die Stiftung Deutsche Krebshilfe antwortet auf aktuelle Nachfragen zu "Methadon in der Krebstherapie" sowie zu den von der Stiftung geförderten Forschungsarbeiten von Frau Dr. Friesen: "Die Deutsche Krebshilfe  hält es derzeit für ethisch geboten, Patienten, die nach diesem Behandlungsansatz fragen, dahingehend zu informieren, dass es für diese Form der Krebstherapie momentan noch keine belastbaren Daten aus klinischen Studien gibt.“

Stellungnahme der Deutschen Krebshilfe zu Methadon

Der Deutschen Krebshilfe liegt seit kurzem ein Antrag auf Förderung einer randomisierten klinischen Studie vor, bei der die Rolle von Methadon bei Patienten mit Glioblastomen untersucht werden soll. Dieser Studienantrag wird derzeit von ausgewiesenen Experten begutachtet.

Internetredaktion der FSH

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