Pharmaspenden? Nicht bei uns!

6. November 2014 - „Helfer mit Hintergedanken“, so lautet ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Apotheken-Umschau, die in fast jeder deutschen Apotheke kostenfrei zum Mitnehmen ausliegt. Viele Selbsthilfegruppen – steht dort geschrieben – würden von der Pharmaindustrie nicht nur finanziell unterstützt, sondern zugleich auch für deren Unternehmensinteressen instrumentalisiert.

Sicherlich, wer den ganzen Beitrag im Heft liest, der sieht, dass hier nur bestimmte Organisationen ausdrücklich genannt werden. Und doch bleibt zunächst einmal hängen: Selbsthilfegruppen sind – wenn vielleicht auch unwissentlich - willige Werkzeuge der Pharmaindustrie.

„Ein pauschaler Verdacht, wie er in dem Beitrag der Apotheken Umschau geäußert wird“, sagt Karin Meißler, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH), „ist jedoch nicht nur falsch, sondern katastrophal für die Mehrzahl der höchst seriös arbeitenden Selbsthilfeorganisationen.“

Die FSH, eine der größten deutschen Krebs-Selbsthilfeorganisationen mit einem dichten bundesweiten Netz an Selbsthilfegruppen, finanziert sich zum größten Teil aus Zuwendungen der Deutschen Krebshilfe (DKH). Diese finanzielle Unterstützung ist an sogenannte Bewilligungsbedingungen geknüpft. „Die Auflagen der DKH sind äußerst streng“, so Meißler. „Nicht nur Pharmaspenden sind ein Tabu, sondern jede Spende, die mit einem wirtschaftlichen Interesse aus dem Bereich Gesundheitswesen verbunden sein kann. Diesen Bedingungen fühlen wir uns mit voller Überzeugung verpflichtet. Bei jeglicher Zusammenarbeit muss die inhaltliche Unabhängigkeit der FSH stets gewahrt bleiben.“

Und schon lange bevor die Bewilligungsbedingungen der DKH dies verlangten, hatte die FSH Maßnahmen ergriffen, um keiner äußeren Beeinflussung zu unterliegen. Das FSH-Magazin perspektive wird beispielsweise seit dem Jahr 2006 nicht mehr durch Werbung finanziert. Damit auch die FSH-Selbsthilfegruppen nicht versehentlich in die „Spendenfalle“ tappen, werden alle Gruppenleitungsteams intensiv geschult und müssen sich an strenge Regeln halten. 

Dass die FSH in der komfortablen Lage ist, völlig auf derartige Spenden verzichten zu können, verdankt sie der DKH, die die Förderung der Krebs-Selbsthilfe als wichtigen Bestandteil  ihres Förderkonzeptes betrachtet. Außerdem wird die Organisation durch die gesetzlich verankerte Pauschalförderung der Krankenkassen unterstützt.

„Wir bedauern es sehr, dass nicht auch der Staat sich hier in der Pflicht sieht“, kritisiert Meißler. „Mit unserem ehrenamtlichen Engagement tragen wir - genau so wie viele andere seriöse Selbsthilfeorganisationen - dazu bei, eine Lücke in unserem Gesundheitssystem zu schließen. Würde dieses Engagement solidarisch von der Gesellschaft getragen, dann gäbe es keine Diskussion über Pharmaspenden in der Selbsthilfe mehr.“

Bundesvorstand der Frauenselbsthilfe nach Krebs

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