Sollen Patientinnen an Tumorkonferenzen teilnehmen?

24. Juli 2017 Frauenselbsthilfe nach Krebs beteiligt sich an einem Forschungsprojekt der Universitätskliniken Bonn und Köln - Brustkrebs-Patientinnen haben rein theoretisch die Möglichkeit, an der Tumorkonferenz* teilzunehmen, in der ihr persönlicher Fall besprochen wird, um dort ihre persönlichen Präferenzen einbringen zu können. Aber ist das tatsächlich auch sinnvoll? Befürworter erhoffen sich, dass zum Beispiel die Therapieempfehlungen stärker an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patientinnen ausgerichtet werden. Gegen die Teilnahme spricht unter anderem, dass durch die offene Kommunikation der Behandler die emotionale Belastung der Betroffenen zunehmen könnte, weil Fachbegriffe verunsichern oder Ängste ausgelöst werden. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs engagiert sich nun in einem gemeinsamen Projekt der Universitätskliniken Bonn und Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie Köln Bonn, in dem die Frage geklärt werden soll, welche Konsequenzen eine Beteiligung von Patientinnen an den Tumorkonferenzen hat.

An sechs nordrhein-westfälischen Brustzentren sollen nun 18 Tumorkonferenzen – die Hälfte mit und die andere Hälfte ohne Patientinnenbeteiligung – mithilfe von Videokameras aufgezeichnet und anschließend analysiert und mindestens 90 Burstkrebspatientinnen unmittelbar vor und direkt nach der Tumorkonferenz sowie vier Wochen später befragt werden.  Anhand von standardisierten Fragebögen wollen die Wissenschaftler Informationen unter anderem zur emotionalen Belastung der Brustkrebserkrankten und ihrer individuellen Gesundheitskompetenz gewinnen. Darüber hinaus sollen in Diskussionsrunden mit den teilnehmenden Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern und Psychoonkologen die Erfahrungen diskutiert und hinsichtlich der Machbarkeit ausgewertet werden. 

* Tumorkonferenzen sind eine wichtige Errungenschaft der vergangenen Jahre. An zertifizierten Brustzentren sind sie obligatorisch. Sie bieten den Vorteil, dass alle Untersuchungs- und Operationsergebnisse einer Patientin von allen behandelnden Ärzten der verschiedenen Fachrichtung gemeinsam beraten werden. So kann sich eine umfassende Meinung über die Weiterbehandlung bilden.

Internetredaktion der FSH

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