Bonn – Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren weisen Frauen an diesem Tag auf Missstände wie Diskriminierung und fehlende Rechte hin. Die Frauenselbsthilfe Krebs (FSH) nimmt den Tag zum Anlass, um auf die Situation von Frauen mit einer Krebserkranung aufmerksam zu machen.
Der 8. März ist für uns kein symbolischer Tag, sondern ein Tag des Handelns.
Als Frauenselbsthilfe Krebs stehen wir seit fünf Jahrzehnten an der Seite von Frauen mit Krebs – und hören sehr genau hin. Wir erfahren was wirkt, was belastet. Wo Versorgung trägt und wo sie es nicht tut.
Geschlechterspezifische Unterschiede sind medizinisch belegt: Pharmakokinetik, Immunreaktionen, Nebenwirkungsprofile und Therapieansprechen unterscheiden sich. Gleichzeitig basiert ein relevanter Teil klinischer Evidenz noch immer auf Daten, in denen Frauen unterrepräsentiert sind oder aus methodischen Gründen ausgeschlossen wurden.
Die Konsequenz zeigt sich im Versorgungsalltag ganz konkret: Frauen berichten häufiger über Nebenwirkungen, über belastendere Verläufe bestimmter Therapien, über das Gefühl, dass individuelle Voraussetzungen nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Während in anderen Disziplinen geschlechtersensible Ansätze zunehmend systematisch integriert werden, ist das in der Onkologie noch nicht durchgängig der Fall – obwohl sie sich zurecht als Vorreiterin der personalisierten Medizin versteht.
Wir bringen eine Perspektive ein, die in Studien oft fehlt: die kontinuierliche, strukturierte Erfahrung tausender Patientinnen. Diese Expertise ist kein „nice to have“, sie ist relevant.
Auch der Blick auf Männer mit Brustkrebs gehört dazu: Therapien werden bislang weitgehend analog zu denen bei Frauen eingesetzt, obwohl die Datenlage zur spezifischen Wirksamkeit – etwa antihormoneller Strategien – weiterhin begrenzt ist.
Geschlechtersensible Onkologie bedeutet Präzision. Am Weltfrauentag erinnern wir daran, dass gute Krebsmedizin alle relevanten biologischen Faktoren systematisch einbeziehen muss. Das biologische Geschlecht gehört dazu.
Zu den zentralen Punkten gehört, dass an klinischen Studien Teilnehmende die gesamte Bandbreite der Betroffenen repräsentieren sollten – dazu neben dem Geschlecht auch das Alter. Darüber hinaus muss das Wissen um geschlechtersensible Medizin stärker in Studium, Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten verankert werden.
Dafür stehen wir mit der Erfahrung der Betroffenen und mit dem Anspruch, Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln.